1000tode Projekt

Vor einiger Zeit hat Christiane Frohmann via Twitter ein spannendes Projekt zu einem schwierigen Thema gestartet: #1000tode.

Hier kann man Texte, die sich, auf welche Weise auch immer, mit dem Tod befassen, einsenden. Christiane sammelt und lektoriert alles und lässt so ein gemeinsames Buch entstehen.

Ich erinnerte mich, das ich früher einmal einen solchen Text geschrieben hatte. Es ist schon eine Weile her, aber ich habe ihn wieder gefunden. Mein Text war aber länger als die Vorgabe und meiner Meinung nach schwer zu kürzen.

Christiane hat ihn trotzdem gelesen, lektoriert und mit aufgenommen.

 

 

What a wonderful World
And I think to myself, what a wonderful World  (Louis Armstrong)

Er saß auf dem Geländer der Brücke.
Es war ein kalter Sonntag im Winter und überall lag der schmutzige Matsch des Schnees. Er wollte springen, traute sich aber noch nicht. Also nahm er noch einen tiefen Zug aus der Whiskeyflasche, die er seinen Eltern aus der Hausbar geklaut hatte, und an deren Stelle nun sein Abschiedsbrief lag. Er hatte ihn schnell geschrieben, ohne großartig darüber nachzudenken, allen seinen vermeintlichen Freunden gedankt und klargemacht, dass nur er selbst schuld an seinem Tod sei, dass sich keiner die Schuld geben und sich keiner verantwortlich machen solle für sein Ableben.

Er hatte den Brief mit der Hand geschrieben, wie lange hatte er bis zu diesem Brief nicht mehr mit der Hand geschrieben, er wusste es nicht. Es war auf jeden Fall lange her, er hatte überhaupt schon lange nicht mehr geschrieben. Es war ihm schwergefallen, in einer leserlichen Schrift zu schreiben, das amüsierte ihn ein wenig, dass er nicht mehr richtig schreiben konnte, aus der Übung gekommen war. Dann hatte er Abschied genommen von seinen Sachen, ein letztes Mal sein Zimmer ein wenig aufgeräumt (seine Mutter hatte ihn jeden Tag darauf gedrängt, doch endlich mal aufzuräumen, das hat sie nun davon, dachte er im Stillen). Er wollte nicht, dass andere denken, sie seien schuld an seinem Tod, obwohl sie das das natürlich waren, dachte er sich, wieso mussten sie ihn auch sein Leben lang jeden Tag schikanieren, ärgern und schimpfen. Oh, er hasste sie alle, er hasste sie aus tiefstem Herzen.

[…]

Wie es weitergeht, lest ihr gemeinsam mit 999 anderen Texten im Buch. Danke für das tolle Projekt, ich bin gespannt auf die finale Version des Buches.

 

Johannes

Hallo, ich bin Johannes. Dies ist meine Spielwiese für verschiedene Projekte, Bilder, Quatsch, Ideen und Gedanken zu denen ich manchmal auch Interviews geben darf.

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