Alles wird neu

Alles wird neu

Schon immer fand ich Fotografie spannend, seit 2008 beschäftige ich mich intensiv damit, seit 2010 als freier Berufsfotograf.

Ich hatte immer den Anspruch und den Wunsch von der Fotografie zu leben, es war mein Beruf und so doof das klingt, auch meine Berufung. Das ging auch eine ganze Weile gut.

Die Fotografie hat mich an die verschiedensten und spannendsten Orte in ganz Deutschland gebracht.
Von einer Reportage am Band eines Automobilherstellers hin zu einer Führung durch die Münchner Kanalisation.
Von vielen Messehallen, in denen ich Tage und Nächte verbracht habe bis hin zu einem Ausflug ins Disneyland Paris.
Das war nun knapp sechs Jahre sehr spannend, lehrreich und hat sehr viel Spaß gemacht. Und das wichtigste: ich konnte davon leben. Mal gut, mal schlecht, aber es ging.

Dafür möchte ich all den tollen Kunden danken, die mir das ermöglicht haben.

So langsam ändert sich das jetzt.
In den letzten Wochen und Monaten merke ich, das die Berufsfotografie für mich nicht mehr funktioniert.

Immer öfter muss ich meine Preise rechtfertigen, höre Sätze wie „das macht jetzt der Bekannte vom Chef, der hat ne Kamera zu Weihnachten bekommen“ oder „wir haben kein Budget, bezahlen aber gern mit Reichweite„.

Immer öfter merke ich, das die Fotografie nicht mehr wertgeschätzt wird. Man mutiert zum „Techniker, der sein Equipment mitbringt und auf den Auslöser drückt“.

Das man sich vorher und nachher viele Gedanken macht, wie man ein Foto wo und warum fotografiert und wie es später digital entwickelt wird, wird nicht mehr gesehen und vor allem nicht wertgeschätzt.

Das soll hier kein Jammerposting werden, immerhin habe ich selbst jahrelang davon profitiert das Wissen überall verfügbar und auch professionelle Kameras erschwinglich sind. Ich erspare ich euch daher weitere Beispiele und Details.

Ich war immer ein großer Verfechter davon, die Arbeit die man macht, müsse Spaß machen. Der Meinung bin ich nach wie vor, aber sie muss mich auch ernähren können. Das geht leider nicht mehr.

Ich habe mich daher schweren Herzens dazu entschieden, den Weg des Berufsfotografen zu beenden.

Projekte rund um Fotografie sind mir aber nach wie vor wichtig, diese wird es weiterhin geben, denn hier sind schon einige spannende und für mich lerreiche entstanden.

Wie z.B. #keinwiderspruch, bei dem es um Menschen mit Behinderung geht bzw wie diese damit umgehen. In ca zwei Jahren habe ich hier 30 ziemlich spannende Charaktere getroffen und fotografiert.
Oder die @99fotografen, ein klassischer rotation-curation Account bei Twitter, bei dem wir durch 99 verschiedene Fotografen verschiedene Einsichten in die Fotografie bekommen haben.
Oder der #fototalk. Hier habe ich mit meinem Kollegen Mathis Beutel auf Radio München mit anderen Fotografen darüber gesprochen, was diese warum tun. Und wofür sie brennen.

Der Branche bleibe ich aber vorerst weiterhin treu und biete meine Erfahrung und Dienstleistung all jenen Kollegen an, die erfolgreicher damit sind ihre Arbeit zu verkaufen. Hierzu habe ich meine Business-Webseite neu gestaltet und biete dort ab sofort Dienstleistungen für Fotografen, Filmer und Medienmenschen an.

Und ich werde auch weiterhin fotografieren, nur nicht mehr um damit Geld zu verdienen, sondern wieder so wie es damals angefangen hat: Als Hobby.

 

Johannes

Hallo, ich bin Johannes. Dies ist meine Spielwiese für verschiedene Projekte, Bilder, Quatsch, Ideen und Gedanken zu denen ich manchmal auch Interviews geben darf.

27 Gedanken zu „Alles wird neu

  1. Hallo Johannes, ist traurig, aber leider geht es überall in diese Richtung, sehr schade. Wie läuft Dein neues Geschäft? Viel Erfolg, drücke Dir die Daumen, R

  2. Hallo Johannes

    Das tut mir leid zu hören und ich kann es sehr gut nachvollziehen. Aber das ist in vielen (kreativen) leider so: Eine Webseite kann man heutzutage locker selber erstellen, CMS und freien Templates sei Dank. Wozu also noch bezahlen? Und sowieso, das ganze kann doch der Sohn des Chefs eh auch machen…

    Ich denke, diese „Konkurrenz“ wird man nicht umgehen können. Vielmehr sollte man sich mit ihr arrangieren und sich spezialisieren. Ich bin ganz sicher, seriöse Firmen realisieren bald einmal, was sie an guten Berufsleuten haben. Umgekehrt würde ja der CEO einer grossen Sanitärfirma auch nicht den Wagen vom Kumpel des besten Kollegens einfach mal so nebenbei reparieren lassen.

    Aber und jetzt kommt das grosse aber (wie du es selber schon so schön bemerkt hast): Man muss sich für seine Preise rechtfertigen. Das ist auf der einen Seite positiv (haben in den goldenen Jahren einige doch sehr unverschämt zugelangt) und natürlich auch negativ, weil man Dinge rechtfertigen muss, die man eigentlich nicht müsste.

    Es ist schwierig… Ich denke, ich würde es gleich wie du machen…

    Ich wünsche dir alles Liebe & Gute!

  3. Au Mann. Ich weiß nicht genau, weshalb mich Dein Ausstieg als Berufsfotomensch so beschäftigt. Vielleicht, weil ein Bekannter gerade erst frisch eingestiegen ist, voller Enthusiasmus und Energie? Vielleicht, weil einige Kollegen im Bekanntenkreis die Berufsfotografie zwar nicht gleich aufgegeben haben, aber erweitert (Videografie, einer macht Drohnen-Aufnahmen)?

    Vielleicht aber auch, weil ich die von Dir nur knapp angesprochenen Preisrechtfertigungen zur Genüge selbst kenne. 2008 hatte ich das noch relativ locker beiseite geschoben und kleingeredet: http://www.nggalai.com/blog/eike-und-die-heilige-pecunia/ Aber seither bläst der Wind härter, das Rechtfertigen kommt häufiger vor, auch bei Kunden, die es eigentlich berufsbedingt besser wissen müssten (z.B. Verlage).

    Irgendwann hat man einfach keinen Bock mehr. Man will eigentlich fotografieren, schreiben, gestalten, sein Auge und Hirn mit einbringen – und verbringt große Teile des Kundengesprächs mit besagten Rechtfertigungen und ad-hoc Kalkulationen statt mit den wichtigeren Dingen wie Ziel, kreative Ideen, Sinn & Zweck des »Produkts« etc..

    Ich finde es konsequent und vernünftig, wie Du mit der Situation umgehst. Und ich wünsche Dir alles alles Beste für den neu eingeschlagenen Weg.

    1. Sascha, ich kann es dir nicht sagen. Bei einem gut befreundeten Fotografen hat gerade ein Azubi angefangen. Viele junge Menschen kommen auf den Markt, ich finde es toll und wünsche ihnen das es klappt.

      Danke für die Wünsche.

  4. Liebe Johannes,
    ups, das sind ja Neuigkeiten, die mich zumindest erst mal sehr nachdenklich gemacht haben. Sicherlich habe auch ich dazu beigetragen, dass es nicht so lief, wie es hätte laufen sollen. Unser angedachten Projekt schmolz leider von meiner Seite in sich zusammen, da die Herausforderungen des Marktes auch mich zu einschneidenden Maßnahmen zwangen. Ich kann Dich jedoch sehr gut verstehen, da es mir an vielen Stellen ähnlich geht. Deswegen habe ich mich jetzt auch neu aufgestellt. Mal schauen, wie der Markt auf mich und meine neuen Produkte reagiert.
    Wünsche Dir auf jeden fall eine gute Zeit und die Erfüllung, die Du suchst. Wünsche Dir aber auch viele lukrative Aufträge, damit das Leben weiterhin Spass macht.
    Beste Grüße aus Garmisch-Partenkirchen
    Markus

    1. Danke. Aber nein, ich denke nicht das du deinen Teil dazu beigetragen hast, sonst wären das ja alle die mich nicht gebucht haben 🙂

      Danke für die Wünsche.

  5. Hallo Johannes,

    gestern las ich von Deinem Ausstieg aus der professionellen Fotografie. Du ziehst die Reißleine und wendest Dich neuen Dingen zu.

    Deine Gründe: Immer öfter hieße es, dass die Fotos nun von den Unternehmen selbst gemacht werden oder dass kein Budget mehr vorhanden sei. Generell werde die Fotografie nicht mehr so wertgeschätzt, dass es sich lohne, in diesem Bereich zu arbeiten.

    Ich bin mir sicher: wenn man 100 willkürlich ausgewählten Berufsfotografen diese Geschichte erzählt, wird es viel beifälliges Kopfnicken geben, manchen Kraftausdruck und jede Menge Zustimmung. Das alles klingt sehr nachvollziehbar.

    Und es stimmt: die (professionelle) Fotografie ist in einem steten Wandel. Die jüngsten Umbrüche werden mit den Stichworten Digitalisierung, Internet, Niedergang des Verlagswesens, Demokratisierung der Produktionsmittel, breite Verfügbarkeit des technischen Wissens usw. treffend beschrieben und sind nicht weniger als dramatisch.

    Es stimmt aber auch: die Fotografie wandelt sich sehr starkt seit dem Tag ihrer Erfindung.

    So nachvollziehbar Deine Äußerungen zu sein scheinen – ich möchte das Augenmerk auf einen speziellen Aspekt der Argumentation lenken:

    Es ist die Digitalisierung. Es ist die sinkende Wertschätzung professioneller Fotografie. Es sind die Leute. Es ist der Markt.

    Wer so argumentiert, macht sich zum Opfer der Umstände. Er gibt die Verantwortung aus der Hand. Er verlässt die Rolle des Handelnden und übernimmt die Rolle des Ertragenden. Der Fotograf kapituliert vor vermeintlich übermächtigen Umständen.

    Ist das wirklich zwingend? Muss das so sein? Ist das wirklich der Grund? Gab es keine anderen Möglichkeiten? Wie wird man vom Opfer zum Täter – oder besser: zum Handelnden? Wie gewinnt man die Rolle des Helden zurück?

    Wer sagt: „Ich habe verloren“, wird selbstverständlich immer Recht behalten. Alle Details seiner Lebensumstände werden sich so fügen, dass er in seiner Entscheidung bestätigt wird.

    Die entscheidende Frage ist: gibt es einen Ausweg daraus? Gibt es eine Antwort auf eine Welt, die sich permanent verändert und in der es nicht mehr ausreicht, einfach einen guten Job zu machen und fotografisch saubere Ergebnisse abzuliefern?

    Ich glaube schon, dass es Antworten darauf gibt – und Auswege. Vielleicht helfen nachfolgende Fragen, diese Antworten zu finden:

    FRAGEN…

    … habe ich als Fotograf alles gegeben, um erstklassig zu sein?
    … habe ich eine Nische gefunden, die mich interessiert und in der man Geld verdienen kann?
    … habe ich einen USP?
    … versuche ich täglich, etwas dazuzulernen?
    … mache ich immer einen erstklassigen Job und lege noch 20 Prozent drauf?
    … mache ich immer mehr als verlangt?
    … habe ich eine Vision für mich selbst formuliert, wo ich einmal hin will?
    … habe ich mir genug Zeit gegeben? Resigniere ich zu früh?
    … habe ich gelernt, wie man potenzielle Kunden interessiert?
    … tue ich alles, um mein Potenzial und meine Größe zu entfalten?
    … spreche ich voller Achtung über meine Kunden und über desen Ideen?
    … bin ich erkennbar, sichtbar und unverwechselbar?
    … lebt die Begeisterung in mir? Kann ich Begeisterung weiter geben?
    … gehe ich jeden Tag ein paar Schritte in neues und unbekanntes Territorium?
    … habe ich an meinen Fähigkeiten, Skills, Kommunikationsmöglichkeiten ausreichend gearbeitet?
    … bin ich gut?
    … kann ich besser werden?
    … wer hilft mir dabei?
    … wieviele Jahre braucht ein Business, bis es sich nachhaltig und erfolgreich etabliert hat?

    Und so weiter. Da gibt es noch eine Menge Baustellen, um die man sich kümmern könnte.

    Sechs Jahre nach der Gründung ist man gerade erst in einem frühen Stadium der Unternehmensentwicklung und hat normalerweise noch sehr viel Potential nach oben.

    Von der Fotografie leben? Ja, das ist auch heute noch möglich, und sogar auf gutem Niveau. Wie kann man dieses Niveau erreichen? Ich glaube: mit einer großen Vision, mit sehr viel Leidenschaft und mit richtig harter Arbeit. Und mit dem unbedingten Verlangen, den Erfolg zu erreichen.

    Kann es sein, dass Du ein bißchen zu früh aufgegeben hast?

    1. Lieber Christian,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich hatte eben schon einmal geantwortet, aber dann leider auf den falschen Knopf gedrückt und alles gelöscht. Schieben wir es mal auf die Hitze :)Ich schreibe daher nochmal, vllt etwas weniger ausführlich und bitte dies zu entschuldigen.

      Außerdem sind natürlich alle Kollegen und interessierten Leser eingeladen, sich zu beteiligen.

      Der Wandel der Fotografie ist mir klar, das war schon immer so und wird auch immer so weiter gehen. Ich denke aber mit der Digitalisierung gab es hier einen ziemlichen Sprung. Das macht aber nix, ganz im Gegenteil.
      Als ich mich 2010 Selbstständig gemacht habe (Nach ca zwei Jahren völlig nebenbei und in Teilzeit, es sind also insgesamt schon ca 8 Jahre), habe ich enorm davon profitiert.
      Wie auch im Artikel geschrieben will ich keine Miesepter-Stimmung verbreiten oder über den Markt meckern, denn eben dieser Markt hat mir sehr geholfen mich überhaupt selbstständig zu machen. Überall verfügbares Wissen, bezahlbare Technik auch im Profi-Bereich und die Tatsache, das jeder auch ohne Ausbildung sich Fotograf nennen darf, alles war super für mich.
      Ständige Entwicklung ist für mich kein Problem, das habe ich immer gemacht. Sei es durch Fotoassistenz, Praktika, Besuch von Ausstellungen und Workshops, Gespräche mit Kollegen, ansehen von Bildbänden etc. War mir immer wichtig, ist mir auch immer noch wichtig. Ich denke als Freiberufler im kreativen Bereich kommt man da eh nicht drum rum.

      Die entscheidende Frage ist: gibt es einen Ausweg daraus? Gibt es eine Antwort auf eine Welt, die sich permanent verändert und in der es nicht mehr ausreicht, einfach einen guten Job zu machen und fotografisch saubere Ergebnisse abzuliefern?

      Glaub mir, ich habe lange darüber nachgedacht. Es ist ja nicht so, das die Entscheidung mit der Berufsfotografie aufzuhören von heute auf morgen kam, das war durchaus ein längerer und unbequemer Prozess. Und natürlich bin ich auch jetzt noch unsicher ob das richtig war oder vorschnell.

      Ich stimme dir ebenfalls zu, das es durchaus Kollegen gibt die auch heute noch von der Fotografie leben können. Teilweise auch gut und ohne Nebenjob oder gut verdienende Partner, die so den eigenen Beruf mittragen können und wollen.
      Es werden allerdings immer weniger. Im Zuge des Beitrages erreichten mich mehrere Kollegen, die genau vor der gleichen Entscheidung stehen oder sich schon entschieden haben. Das ist tottal schade.

      Auch die meisten deiner vorgeschlagenen Fragen habe ich mir gestellt. Manche erst in den letzten Wochen und Monaten, andere aber auch schon bei der Existenzgründung. Schliesslich war der Markt damals schon umkämpft.

      Kann es sein, dass Du ein bißchen zu früh aufgegeben hast?

      Absolut ja. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt aufzuhören? Es gehört nicht in die Öffentlichkeit, aber unter uns habe ich kein Problem damit dir zu verraten was ich mit der Fotografie in diesem Jahr verdient habe, wenn es dich interessiert.
      Ich bin auch tendenziell der „ganz-oder-gar-nicht-Typ“. Natürlich hätte man es weiterhin nebenbei laufen lassen können, sehen was passiert, sich entwickeln etc. Aber das ist nicht meine Art, ich will nicht das es plätschert, ich will das es fließt. Das tat es nicht mehr, also muss was passieren.

      Fakt ist: Ich liebe die Fotografie.
      Ich werde nicht aufhören Fotograf zu sein, das geht vermutlich gar nicht.
      Aber ich will nicht mehr unter dem Druck stehen meinen Lebensunterhalt damit verdienen zu müssen und damit am Ende die Liebe zur Fotografie verlieren, das wäre ja grausam.
      Lieber setze ich weiter freie Projekte um die mir Spaß machen, denn eben diese freien Tätigkeiten haben mir schon als Berufsfotograf meistens mehr Spaß gemacht als die bezahlten Aufträge.

  6. Hallo Johannes,

    vielen Dank für Deine Antwort auf Deinem Blog. Immer scheiße, wenn man etwas doppelt schreiben muss…. ! In meinem früheren Leben war ich schreibender Journalist und PR-Mann. Ich kann es nachfühlen.

    Ich danke Dir auch, dass Du Dich nicht von meinen Sprüchen angepisst fühlst. Ein paar meiner Sätze taugen durchaus dafür, mir ist das bewusst. Um so spannender, dass Du die Diskussion suchst, sogar öffentlich!

    Mein Interesse an dieser Diskussion besteht nicht darin, Dich umzustimmen oder dergleichen. Aber mich interessiert diese schwarze Stimmung unter Fotografen. Mich interessiert, warum das geschieht – und was das Rezept dagegen sein könnte.

    Ich war gerade auf dem Freelens-Jahrestreffen: da gab es eine Menge Kollegen, die sich nicht gerade erbaut über ihre Zukunftsaussichten geäußert haben. Auch da fühlte ich mich zum Widerspruch herausgefordert – und zum Mut machen.

    Meine These ist: es gab wohl mal eine Zeit, da brauchte man „nur“ eine solide handwerkliche und/oder kreative Ausbildung als Fotograf – und konnte dann durchaus diesen Beruf leben. Auch wenn man kein Marketing-Genie war. Und man musste auch kein überragendes Kreativ-Monster sein, um gut gebucht zu werden. ABER: dann haben viele Kollegen eben auch nichts anderes als schlichtes, solides Handwerk abgeliefert und sind damit wirtschaftlich gut gefahren. Fotografie war schon immer ziemlich schwierig, und in der analogen Zeit brauchte man einfach den Fachmann, wenn man Bilder drucken wollte.

    Heute schieben sich zwischen Kunde und Fotograf diverse Kräfte, die eine Beauftragung der Fotografen verhindern: billige Stockagenturen, selbstknipsende Geschäftsführer, selbsternannte Pseudo-Profis usw. Im Zweifel muss die Grafik den Mist dann ausbaden und aus unbrauchbaren Fotos noch irgendwie etwas machen. Und oft genug gelingt das erstaunlicherweise sogar!

    Der einzige Ausweg für uns Profis ist: das eigene Niveau so viel höher schrauben, dass man damit auch wirklich bemerkt wird. Einen erstaunlichen Stil haben. Ein besonderes Arbeitsgebiet oder Thema finden, in dem man sich auskennt und außergewöhnliches leistet. Mit anderen Worten: man muss sich vom Amateur-Niveau so deutlich unterscheiden, dass der potentielle Kunde sofort erkennt, dass man so etwas nur bekommen kann, wenn man dafür Geld ausgibt.

    Natürlich heißt das nicht, dass man dann automatisch in Jobs ertrinkt. Dann ist man gut, aber teuer, und natürlich bekommt man auch Absagen. Aber nicht mehr aus dem Grund, weil die Arbeit nicht mehr wertgeschätzt würde, sondern weil der Kunde sich die Dienstleistung nicht leisten kann oder will. Und wenn man zu wenig Zusagen bekommt, muss man mehr Marketing machen, mehr Kontakte entwickeln usw. Dann entwickelt sich das Geschäft.

    Aber man findet dann auch Kunden, die den Wert erkennen und gerne bezahlen! Ideal ist es, wenn der Kunde hofft, sich den Fotograf leisten zu können – und die beiden Parteien dann einen guten Deal miteinander machen und beide hochzufrieden sind.

    Um diesen Stand zu erreichen, habe ich und meine Kollegin Silvia mehr als sechs oder 8 Jahre gebraucht – wir sind jetzt im 10. Jahr, und wir sind ja noch mitten in der Schlacht und wollen noch erheblich besser werden und weiter kommen.

    Ich glaube an die Konsequenz. Einmal mehr aufstehen als hinfallen war schon immer unabdingbar für den Erfolg. Und wenn man 5 Absagen bekommt, weil der Kunde den Wert nicht erkennt, dann wird eben erst der sechste zusagen….

    Soweit von mir mein Statement. Du schreibst: es soll nicht plätschern, sondern fließen. Ja, ich stimme Dir zu. Aber dafür muss man manchmal durch die Dürre gehen.

    Ich bin auch der Ganz-oder-Garnicht-Typ. Ich will den nachhaltigen und lukrativen großen Erfolg! 🙂

    VG
    Christian

    1. Hi Christian,

      aber klar, warum sollte ich mich angegriffen fühlen 🙂
      Ich finde das auch ein spannendes Thema und würde mich total freuen wenn der ein oder andere Kollege sich mit einklinken würde.
      Ich werde auch den Markt weiterhin beobachten und bin gespannt was hier so passiert. Ein Fan von Spezialisierung war ich immer, wobei ich das eher klassisch gesehen habe. Also nach Kategorie, z.B. Portrait.

      Ich drück dir auf jedenfall die Daumen das es positiv und erfolgreich bei dir weitergeht.

  7. Es ist etwas spät. aber mich hat der Beitrag nachdenklich gemacht.

    Natürlich Auslese. Im Kampf müssen manche aufgeben. Das ist mit dem Verstand nachvollziehbar, aber mir tut es trotzdem leid für dich. Zu guten Fotos (oder anderen Dienstleistungen) gehört leider jemand, der an Qualität glaubt und der die Kontakte hat. Und genügend Autorität, das durchzusetzen.

    Mir macht die zunehmenden Erweiterung des Aufgabengebietes Sorgen – ist ja in vielen kreativen Berufen so, habe ich das Gefühl. Menschen haben sich nicht umsonst spezialisiert. Kann man von jemandem verlangen, dass er etwas tut, was er nicht aus Überzeugung gut machen kann? Gruslig.

    Zu denken gab mir der Satz mit der Wertschätzung. Im Beruf und der harten Wirtschaft ist das sicher anders, aber ich denke, wir sollen mehr darüber reden. Dass ein Fotograf VORHER komponiert und es ne Menge Arbeit ist, ein Foto zu konzipieren, das hört man selten. Ich würde mich freuen, wenn man nicht nur Fotos im Internet postet, sondern zeigt, was man sich dabei gedacht hat. Ich empfinde eine ziemliche Grenzen zw. den spezialisierten Künstlern und den Laien…:-(

    1. Zu dem Beitrag hab ich tatsächlich einiges an Feedback bekommen, eine kleine Diskussion ist ja auch schon entstanden, gerne mit einklinken.
      Das mit der Wertschätzung ist mein Empfinden, haben aber viele KOllegen ebenfalls bestätigt die das genauso sehen.

      Nicht vergessen: Ich will hier nicht allzusehr auf die Tränendrüse drücken und die Digitalfotografie und alle anderen verteufeln, man ist auch immer zu einem gewissen, vermutlich ziemlich großen, Teil selbst schuld. Gerade das es so „einfach“ ist, als Fotograf selbstständig zu werden, hat es mir ja auch den Anfang sehr erleichtert und immerhin 5 Jahre hat es, mit auf und abs, geklappt.

      1. Ich habe die anderen Beitrage mit Freude gelesen. Aber wie gesagt: Ich bin Konsument – ich hab keinen Einblick in die Kreativbranche 🙂

        Tränendrüse ist etwas anderes. Ganz im Gegenteil: du schreibst doch sehr differenziert und nicht mit „Mir geht es blöd und die Welt ist daran schuld!“-Attitüde 🙂

          1. Eine Differenz. Wenn ich von Blogs ausgehe: Es gibt Fotografen, die sich auf Fotos beschränken und nichts erklären, obwohl sie es könnten – es ist ja ein Blog. Es gibt gute Fotos auf DA – wenn man sie findet. Und es gibt Schönheitsblogger, die lieber 5 x ein Produkt ablichten, als es kreativ in Szene zu setzen.

            Es fehlt an Selbstwahrnehmung. Wahrnehmung der Verantwortung als Mittler – im Internet erreicht man nicht nur Profis, sondern auch Laien. Und bei denen kann man das Interesse für Fotografie wecken – wenn man interessant schreibt und nicht vermittelt, dass man in seiner eigenen Szene lebt. Und Wahrnehmung von sich selbst als kreatives Wesen. Ich denke, manche Leute haben Angst, ihre „Stammkunden“ zu vergraulen, wenn sie ihren Leserkreis erweitern.

            Ich bin ein Fan des YT B. Jaworsky (?). Er zeigt Foto-Tipps, macht aber auch klar, dass er eine STufe darüber liegt – wie gesagt: Wenn man Fotos VORHER komponiert, dann braucht das Erfahrung, Ich finde das beruhigend.

            Ansonsten… der Spiegel veröffentlicht manchmal Leserfotos + Profikritik. Dort sind bunte Linien zu sehen. Wenn dem Laien vermittelt wird, es sei furchtbar komplex, ein gutes Foto zu schießen, ist das doof.

            Insgesamt würde es uns guttun, von unserem hohen Ross runterzukommen und zu zeigen: Kunst macht man nicht, indem man über allem steht. Kunst macht man, wenn man etwas intensiv wahrnimmt und es so geschickt weitergibt, dass es ein Gefühl erzeugt. Ohne die Emotion gibt es keine Kunstkritik.

            Gut, das waren eher Klagen, aber… das ist es 🙂

          2. Ach ich empfinde kein hohes Ross, es gibt sehr viele Fotografen, egal ob Hobby oder Beruflich, die auf Blogs Bilder zeigen und erklären wie sie was und warum machen. Wenn du bei Twitter bist, schau mal in das @99Fotografen Projekt. Das hatte ich die letzten zwei Jahre umgesetzt, dort haben 99 verschiedene Fotografen über ihren Alltag getwittert. Es gibt dort noch eine Liste mit allen Teilnehmern, und auch entsprechenden Webseiten. Da waren ganz viele dabei die ihr Wissen sehr gern geteilt haben.

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