Fotografenhandwerk am Ende?

Heute Abend hat der auf Medien- und Urheberrecht spezialisierte Anwalt Sebastian Deubelli einen Link zu einem Artikel auf Profifoto bei Facebook gepostet. In dem Artikel geht es darum, ob das Fotografenhandwerk am Ende ist.

Laut dem Artikel ist die Zahl der die Handwerksrolle eingetragenen, selbständigen Fotografen von rund 4.000 auf über 20.000 gestiegen, seit dem die Meisterpflicht des Fotografen vor ca 20 Jahren ausgesetzt wurde und was das für die Zukunft der Fotografie bedeuten kann.

Das ist ein sehr spannendes Thema für mich, denn mit dieser Pflicht hätte ich mich 2010 nicht als Fotograf selbstständig machen können.

Die Aufhebung öffnet vielen Kreativen auch heute die Möglichkeit, sich als Fotograf selbstständig zu machen, bringt aber parallel dazu auch mit sich, dass der Markt in der Fotografie immer stärker umkämpft wird.

Auf Facebook entstand daraufhin eine kurze Diskussion, die ich hier und jetzt an euch weitergeben möchte. Die Frage ist:

 

Ist die Abschaffung der Meisterpflicht Fluch oder Segen für die Fotografie?

Mich interessiert Eure Meinung dazu, egal ob ihr Berufs- oder Hobbyfotografen seid, gelernt oder ungelernt. Beteiligt euch auch gerne wenn ihr selbst mit der Fotografie nichts zu tun habt und z.B. Kunde seid.
Antwortet gerne hier als Kommentar oder veröffentlicht bis zum 31.1.2016 einen eigenen Beitrag. Erwähnt darin diesen Beitrag wenn Ihr ein Pingback schicken wollt oder verlinkt euren Beitrag hier als Kommentar.

Wenn Ihr wollt, erwähnt euren Bezug zur Fotografie im Artikel oder Kommentar.

Und los

Johannes

Hallo, ich bin Johannes. Dies ist meine Spielwiese für verschiedene Projekte, Bilder, Quatsch, Ideen und Gedanken zu denen ich manchmal auch Interviews geben darf.

39 Gedanken zu „Fotografenhandwerk am Ende?

  1. Hi,

    ja, das Fotografenhandwerk ist „am Ende“ bzw. hat in dieser verstaubten, überlieferten Form keine Zukunft mehr. Gute Fotografie war schon immer viel mehr als nur ein Handwerk, insofern ist dieses Konstrukt schon lange fraglich.

    Klar, für das „handwerklich korrekte“ Passfoto gehe ich auch heute noch zum Fotografen, aber wie will der von den 14,50 Euro überleben können? Der Pixi-Automat kann es dazu genauso gut.

    Ich bin quer eingestiegener Industriefotograf und schreibe natürlich aus dieser Perspektive heraus. Selbstverständlich finde ich es richtig, dass sich das „Handwerk“ Fotografie nicht mehr künstlich abschotten kann.

    In der vitalen professionellen Fotografie ist Handwerk / Technik nur ein kleiner Teil des Ganzen. Und die Technik ist nicht mal besonders schwer. Das Handwerk endet an bei der Technik und ist in der Regel unkreativ und starr. Wo es weiter geht? Bei Persönlichkeit, Stil, Blick auf die Welt, beim Standpunkte-Beziehen, bei der Liebe zu Themen und Sujets und beim kreativen und unternehmerischen Forschergeist. Den lernt man nicht bei der Handwerkskammer. Und an der FH auch nicht. Den lebt man in der Interaktion mit der Welt und seinem Markt.

    Viele Grüße
    Christian Ahrens
    http://www.ahrens-steinbach-projekte.de

    1. Gut geschrieben, Christian!

      Für mich, als Eventfotograf, ist die Fotografie im Mindesten ein Handwerk. Allein dafür sollte man so gut entlohnt werden, dass man seine Existenz davon bestreiten kann. Darüber hinaus bin ich aber auch Künstler, bringe meine Kreativität und meine eigene Perspektive in ein Shooting, in ein Projekt ein. Und dafür müsste es einen Bonus geben. In der Realität sind diese Dinge aber heutzutage schwer. Eben weil jeder „Hobbyfotograf“ schon mit einfachem Equipment schnell mal ein paar Fotos machen kann, die durchaus ansprechend sein können. Darüber hinaus muss der Kunde gut hinschauen. Was will er? Möchte er eine Reportage seiner Veranstaltung, so dass man das als Dokumentation zu den Akten legen kann, oder möchte er einen Fotografen, der die Fotografie atmet, der in seinem alltäglichen Leben immer einen virtuellen Bilderrahmen in seinem Kopf trägt. Mit dieser Leidenschaft hat der engagierte Berufsfotograf von heute immer noch die Möglichkeit, „outstanding“ zu werden. Es ist ein Weg. Aber mit entsprechendem Herzblut kann man ihn gehen.
      Ich wünsche dies jedem, der eine derartige Passion für die Fotografie in sich trägt! 🙂

  2. Der Wegfall der Meisterpflicht hat mich immer geärgert. Dadurch wurde der Beruf des Fotografen deutlich abgewertet. Jeder, der eine Kamera halten kann, war damit ein Fotograf. Ich hätte mir im Zuge der Reform gewünscht, dass die Berufsbezeichnung geschützt wird. „Fotograf“ sollte sich nur nennen dürfen, wer auch im Handwerk seine Gesellenprüfung bestanden hat oder Fotografie studiert hat. So hätte zumindest die lange Ausbildung und die teure Meisterprüfung – die man als Fotografengeselle normalerweise auch selbst bezahlen muss – eine Aufwertung erfahren und jeder Kunde kann sofort erkenen, dass der Fotograf seines Vertrauens eine solide Ausbildung genossen hat.

    Natürlich kann man argumentieren, dass sich irgendwann die Spreu vom Weizen getrennt hat und ich kenne auch einige „hoffnungsfrohe“ Hobbyfotografen, die ihr Vorhaben inzwischen aufgegeben haben. Nur: bis das so weit ist, sind die Preise im Keller, denn die Seiteneinsteiger wollen oft durch den Preis in den Markt drängen.

    1. Danke für das Feedback. Ich persönlich kenne aber auch so einige alteingesessene „Meister“, die sich auf dem Titel ausruhen und auch heute noch fotografieren wie vor 30 Jahren. Sehe da oft diverse Schaufenster von Fotostudios…

      1. Da hast Du recht. Es gibt überall schwarze Schafe. Ich kenne eine „Kollegin“, die macht die schlimmsten Familienfotos ever. Die Gesellenprüfung hat sie mit Ach und Krach geschafft, die Meisterprüfung erst im vierten Anlauf. Wenn man dann weiss, dass sie den väterlichen Betrieb übernehmen sollte (was sie auch gemacht hat) und Papi Innungsmeister war, kann man 1+1 zusammenrechnen… Die ausgestellten Meisterfotos waren so mies, dass sich darüber sogar die Kunden lustig gemacht haben.

        Aber dagegen kann man in keinem Beruf etwas machen, es wird immer gute und schlechte Handwerker in allen Bereichen geben. Nur alleine durch das Schützen der Berufsbezeichnung würde die Ausbildung und der Beruf deutlich aufgewertet. Und es liegt auch an den Ausbildungsbertrieben, den Lehrlingen das Handwerk korrekt zu vermitteln.

    2. Hallo,

      unsere Firma hat vor 3 Jahren eine junge Dame „ausgebildet“ – obwohl wir beide weder „gelernt“ noch „Meister“ sind. Die Auszubildende hat ihren ursprünglichen Lehrbetrieb aus tiefem Frust verlassen und hat sich uns ausgeguckt, damit wir sie zu Ende auszubilden…. wir haben uns darauf eingelassen, und die Handwerkskammer hier hat das letztlich mitgetragen. Unsere Auszubildende hat die Prüfung gut bestanden – aber was wir auf dem Weg dahin so mitbekommen haben von der Ausbildung, der Berufsschule, den Lehrgängen etc. – sorry: das ist Mittelalter. Frustrierte, abgehalfterte Lehrer, völlig indiskutable Lerninhalte: lächerlich. Das hatte nichts mit aktueller professioneller Fotografie zu tun.

      Insofern: kein Verlust aus meiner Sicht, wenn Fotografen heute andere Wege gehen.

      Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass die ganzen Quereinsteiger „die Preise kaputt machen“. Sie machen die Preise nur im Bereich der uninspirierten und qualitätslosen Fotografie kaputt. Wenn echte Qualität verlangt wird, spielen diese Mitspieler überhaupt keine Rolle und kommen noch nicht mal in die Nähe der interessanten Jobs.

      Insofern würde ich schon sagen: der Markt regelt das.

      Viele Grüße
      Christian

      http://www.ahrens-steinbach-projekte.de

      1. Zum Thema ‚Ausbildungsinhalte‘ könnte man durchaus eine eigene Diskussion führen. Aber so lange „alte“ Meister die Innung führen, kämpft man gegen Windmühlen, wenn man die Ausbildung den modernen Zeiten anpassen will. Wer lernt in seiner Ausbildungszeit schon eine Bildreportage über eine Hochzeit?

        Ich selbst habe während der Ausbildung zwei Jahre im Fotolabor gearbeitet. Gut, ich kann Retuschieren, Handvergrößerungen in Farbe erstellen usw., was andere nicht gelernt haben. Aber das halbe Jahr anschliessend im Studio brachte nichts. Da habe ich keinen Ausbilder gehabt, der mir wirklich was beibringen konnte oder wollte. Hat mich damals schon geärgert, weil ich mir anschliessend die Studioarbeit selbst beibringen musste. Und daran scheiterte damals die Übernahme eines eingesessenen Fotostudios.

    3. Genau so sehe ich das auch ! Es müßte ein Schutz für gelernte “ Fotografen “ geben oder ein Zusatz für die die den Beruf gelernt haben Z.B Fotograf HWO ; Fotograf STUD . oder irgendwie woran man erkennen kann , daß derjenige den Beruf richtig gelernt hat ! Eine Visitenkarte mit der Bezeichnung Fotograf kann sich jeder drucken lassen !Die Frage ist nur ob es nicht schon zu spät für so etwas ist, den die Preise für “ Hochzeitsfotos “ sind bereits ganz unten angekommen . Ein sog. Fotograf der von Montag – Freitag einer normalen Tätigkeit nachgeht und alle relevanten Abzüge ( KV / RV / Steuern ) bereits von Seinem Gehalt bezahlt hat – kann gut eine Weddingstory / Ganztagesbegleitung bei einer Hochzeit für 300 € ( ja das ist kein Witz – gibt es ) anbieten ! Aber unser einer der davon leben soll und muß , kann da nicht mithalten den wenn da bei mir alle Kosten abgerechnet werden leg ich noch drauf ! Das nur ein Beispiel was uns umtreibt und aufregt ! Auch der Umstand dass viele ein Gewerbe anmelden ist kein Schutz – denn es gibt die “ Kleinunternehmerreglung die viele nutzen und von denjenigen die es irgendwie “ anders “ machen will ich hier gar nicht reden ( Nebenerwerb !) .Aber letzlich und das ist doch der Punkt um den es hier geht , ist doch , daß die HWK für uns hinsichtlich dieser Auswüchse rein gar nichts tut. Ich könnte hier sogar Beispiele aufzeigen wo gerade die HWK´s sogar eher diese Auswüchse unterstützt oder sogar billigt – gehts noch !

      1. Ich bin, was das „Für und Wider“ hinsichtlich einer Ausbildung angeht, hin- und hergerissen.
        Das Berufsbild beinhaltet in seiner klassischen Herkunft eben mehr, als „Fotografieren“ (und ggf. Retusche). Und genauso deckt die Ausbildung eben auch (im Idealfall) die komplette Bandbreite der möglichen Genres irgendwie ab und ist selbst mehr als „Lampe halten“ und „Passbild stanzen“.
        Das macht die Ausbildung auf der anderen Seite breit und aufgebläht – und läuft entgegen der in der heutigen Zeit nicht ganz seltenen Forderung nach Spezialisten. Das, was der Kunde letztlich will, sind Bilder die ihren Zweck erfüllen. Das kann natürlich ein sehr unterschiedlicher Zweck sein – angefangen bei Banalitäten wie „sieht gut aus“ – und eben diesen Zweck gilt es zu liefern. Insofern begrüße ich die „Offenheit“ des Berufes, denn sie ermöglicht Quereinsteigern aus einem fachbezogenen Genre ihr Wissen auch in der Praxis anzuwenden. Ein Architekt, der sich nebenberuflich in der Architekturfotografie verdingt, ist einfach viel stärker in der Materie involviert, als jemand, der zwar die technische Seite der Umsetzung gelernt hat, aber vom Motiv selbst nichts versteht – und in der heutigen Zeit ist die technische Hürde einfach die kleinere, als die der Motivkenntnis.

        Ich selbst falle auch in die von Ihnen angesprochene „Kleinunternehmerregelung“. Ich muss tatsächlich nicht davon leben, liege aber dennoch mit meiner Preisgestaltung in einem ortsüblichen Niveau (und wäre nicht sonderlich böse darum, wenn das irgendwann mal wieder steigen würde…). Ich zahle genau wie Sie auch, Steuern für das, was ich erwirtschafte, habe Kosten für Miete, Strom und mehr, ebenso fordern die Versicherungen und letztlich die HWK, um die es hier ja eigentlich geht, ebenfalls ihren Teil vom Kuchen – sogesehen liegt der Unterschied maßgeblich bei der Lebensgrundlage – die bei mir eben an anderer Stelle entsteht, die Fotografen-Arbeit ein Zuverdienst ist.

        Letzlich sind es, was lukrative Einlassungen (ich greife da mal die von Ihnen angesprochenen Hochzeiten auf) angeht, nicht die Hand voll von „ambitionierten ‚ich mache mein Hobby zum Nebenjob‘-Knipser“ in jeder Stadt, die den Preis ruinieren, sondern die technisch/gesellschaftliche Gesamtsituation.
        Zu Analogzeiten war es (nicht nur wirtschaftlich) schlicht nicht möglich mehrere hundert Bilder von den 30 Minuten standesamtlicher Trauung zu erstellen. Heute entstehen binnen dieser Zeit (so das Brautpaar die Gäste nicht sinnvoller Weise darum bittet, die Handys und Kompaktknippsen in der Tasche zu lassen) problemlos über 1.000. Die Chance, dass bei diesen 1.000 Bildern zumindest jedes 100te Bild ein gelungener Schnappschuss – ein Glückstreffer – ist, ist bei den technischen Möglichkeiten moderner Geräte gar nicht so unwahrscheinlich (und eine DSLR kostet jetzt auch kein Vermögen und steigert die Rate wohlmöglich noch mehr…). Insofern wird das Brautpaar wohl die gerechtfrtigte Überlegung anstellen, ob sie einen hohen dreistelligen Betrag für eine halbe Stunde Standesamt-Begleitung mit anschließenden Gruppenfotos (die man ja auch mit dem Handy machen könnte…) und ein paar Paarporträts zahlt, oder eben nur letztere nimmt und um jeden Cent feilscht.
        Genau letzteres entspricht zumindest meiner Erfahrung, die ich bereits in einigen Gesprächen mit Kollegen (gleich ob nun gelernt oder ungelernt) bestätigt bekam.

        Ein „Marken“-Zusatz zum Fotografen der eine Ausbildung genossen hat, ist in meinen Augen daher nur Makulatur. Es versucht zu kaschieren, dass man mit Leistung (und einem dafür angemessenen Preis) überzeugen muss.
        Das wäre – auf eine andere Branche übertragen – in etwa so, als würde die Dame aus dem Frauenchor, die in ihrer Jugend viele Jahre Gesangsunterricht genommen und eine Gesangsausbildung genossen hatte, sich darüber ereifern, dass ihr die „ungelernten“ Castingbands aus dem TV den Kundenstamm gestohlen hätten…

        1. Tja soweit so gut aber letzlich ist es eben nach meiner Auffassung ein Unterschied ob ich als Fotograf ( Kleinunternehmerreglung ) unterwegs bin und schlußentlich nicht darauf angewiesen bin meine Brötchen mit meinem Beruf verdienen zu müßen , oder aber als Hauptberuflicher Fotograf mit all jenen verglichen zu werden die entspannt mal einen Job machen der mir durch die Lappen geht weil “ so jemand “ wesentlich günsteiger ist als ich ! Es geht auch nicht um Einzelfälle die sich an das Preisgefüge einer Region orientieren – es geht um die die Dumpingpreise machen um Zu fotografieren und Erfahrung zu sammeln. Es ist auch so , daß die Qualität bei vielen Kunden eine untergeaordnete Rolle spielt sobald sie ein Schnäpchen machen können! Da heißt es dann mal schnell “ Och die Bilder – für unseren Zweck ist das auch OK “ die Hauptsache günstig ! Sicher gibt es die Kunden die nach wie vor auf Qualität achten und bereit sind auch etwas mehr dafür auszugeben , aber die werden immer seltener ! Es ist mitlerweile, so glaube ich nicht eine Frage der Qualität sondern eher der Quantität – so wie Sie das ja auch trefflich formuliert haben. Die wachsende Zahl der “ Fotografen “ im letzten Jahr und da möchte ich auf eine Studie des bpp verweisen dem ich angehöre , zeigt mir eines ganz deutlich – der Beruf des Fotografen erscheint für viele attraktiv aber immer weniger können davon Leben . Der Kuchen wird eben nicht größer aber er wird immer mehr aufgeteilt und die Stücke werden immer kleiner . daß ist die traurige Realität ! Wir habe es mit einem brutalen Verdrängungswettbewerb zu tun und der “ Merkel´sche “ Satz das was andere Billiger sind müßen wir besser sein hilft hier auch nur bedingt weiter.

          1. Ich denke, ich würde mich aus meiner Position heraus (und ich unterstelle Ihnen da eine ähnliche Haltung) nicht mit in einen Topf derjenigen des „ich muss üben also bin ich billig“-Klientels werfen wollen. Ich denke nach wie vor, dass dies eine andere Kundenschicht ist, die man selbst dann nicht erreichen würde, wenn der Markt begrenzt wäre, auf Meisterbetriebe. Genau dieser Markt ist, so denke ich, ein neues Segment, das somit erschlossen wurde und bedient eben all Jene, wo sonst Onkel oder Tante die Bilder gemacht hätten.
            Allerdings stimme ich der von Ihnen genannten Studie und der von Ihnen damit verknüpften Aussage, dass die Teilnehmer am Kaffeekränzchen mehr werden ( allein schon dadurch, dass eben auch Gesellen ohne Meistertitel mitessen dürfen…) wobei parallel der Kuchen kleiner wird. Das ganze aber bezogen, auf das, was ich zuvor geschrieben habe. Damit wäre das Dumpingsegment dann eher als eigener Kuchen zu verstehen.
            Die Problematik, die nun Auftaucht, ist, dass einerseits die Leute, die vom Billigkuchen essen, zuerst ein Stück von der richtigen Torte mit auf ihren Tisch stellen, sich später dann aber mit zur richtigen Torte dazu setzen und noch einmal teilhaben wollen.
            Das zeigt im Grunde, wie komplex die Thematik ist und wie schwierig mögliche Lösungsansansätze dafür sein könnten. Denn wie ich schon in einem anderen Beitrag sinngemäß schrieb: ein Titel macht noch keinen Namen…

      2. Die Frage ist halt ob der Kunde der für seine Hochzeit nur 300,- für den Fotografen einplant überhaupt zum ein Kunde für den Profi wäre. Ich denke nein, gäbe es den „Discount-Fotografen“ nicht würde diesen Job wohl ein Familienmitglied übernehmen da bei diesen Kunden gar kein Geld für den guten Profifotografen vorhanden wäre.

        Ich denke das es zwei voneinander mehr oder weniger unabhängige Märkte gibt :
        1.) das Billig-Segment
        2.) das Qualitäts-Segment

  3. Titel sind Schall und Rauch. Auch wenn jetzt manch einer aufschreien mag, aber ich erlebe es auch in anderen Bereichen immer wieder: nur weil jemand einen Titel, ein Papier oder ähnliches vorzuweisen hat, heißt das heute schon lange nicht mehr dass diese Person den Job auch gut macht. Ich halte den Wegfall der Meisterpflicht für sinnvoll. Denn auch ich kenne Fotografenmeister die sich genau nicht mehr seit ihrer Ausbildung bewegt haben. Der Titel „Fotografenmeister“ ist kein Qualitätsmerkmal mehr. Das ist übrigens auch die Aussage eines Herren mit dem ich das mal diskutiert habe. Er selbst ist übrigens Fotografenmeister.

    1. Dann sollte man darauf hinarbeiten, dass es wieder ein Qualitätsmerkmal wird!

      Aber die Kammern nehmen lieber viele auch schlechte Meister auf, wenn die Zwangskihle stimmt. Auch da müsste sich dringend mal was tun.

  4. Danke euch für die spannenden Kommentare.

    Karsten: der Pingback hat geklappt 🙂

    Zum Thema Ausbildungsinhalte können wir auch gerne diskutieren.
    Hab vor einiger Zeit meinen AdA Schein gemacht und mich mit dem Thema ein bisschen befasst. Ein Kollege von mir hat den Schein auch gemacht und bildet jetzt seit ca 1 Jahr aus.
    ich denke, wenn man sich ausbilden lässt, ist es immer wichtig, wo man das tut. Wenns gut läuft und man den richtigen Ausbilder hat, kann das super sein und man kommt in viele Bereiche der Fotografie rein. Wenns blöd läuft lernt man nix oder fotografiert drei Jahre lang Freisteller. Der Rahmenplan sieht jedenfalls viele Bereiche vor, die auch wichtig sind.

    Meiner Meinung nach ist die bessere Ausbildung aber einfach zu tun und viel zu assistieren. (Bin aber selbst nicht gelernt).

  5. Bei der Ausbildung gibt es auch die Situation, dass der Azubi eine Art erster Assistent ist. Mag zwar viel lernen und Verantwortung tragen, aber es hört sich in vielen Situationen wie eine billige Kraft an, die mehr zum günstigen arbeiten anstatt ausbilden da ist.

    1. Hi,

      naja, das ist halt immer der alte Deal gewesen: Wissen gegen Unterstützung. So funktionieren die Handwerks-Innungen usw. bis heute. Das erworbene Wissen verschafft Zugang zum Markt (und die Berechtigung, darin zu arbeiten) – umgekehrt profitiert der Meister von der tätigen Hilfe des Azubis. Wie verantwortungsvoll er das handhabt, ist natürlich schon immer ein Thema gewesen, seit Jahrhunderten.

      Das Modell ist jedoch zumindest in der Fotografie überholt: der Zugang zum Markt ist immer da, und es gibt keinen Grund mehr, dagegen 3 Jahre Stativschleppen oder – noch schlimmer – Bilderrahmen-Verkaufen zu tauschen. Das Geschäftsmodell funktioniert also nicht mehr. Der Gesellenbrief hilft einem als Fotograf in keinster Weise weiter, außer man will in einem Fotostudio Passbilder knipsen.

      Viele Grüße
      Christian
      http://www.ahrens-steinbach-projekte.de

      1. Da gebe ich dir recht, die Zeiten haben sich gewandelt, Gesellenbriefe sind überholt. Aber trotzdem bin ich der Meinung, eine gute Ausbildung bzw. Studium sollte man sich angetan haben, um vieles zu erlernen. Gut, als Stativschlepper wird man nicht viel Erfahrung gewinnen, aber es gibt auch Betriebe, die bilden aus, weil sie die Leute später halten wollen. Nur eine Kamera bedienen zu können reicht nicht, um den Job als Fotograf auszuführen. Deshalb bin ich klar für die Ausbildung, auch wenn ich keinem mehr empfehlen kann, diese im Bereich der Fotografie zu erreichen. Die Zukunftschancen schätze ich nicht mehr gut ein für Berufsstarter.

        Liebe Grüße,
        Karsten

        http://Blog.KS-FOTOGRAFIE.NET

  6. Das Azubis irgendwann zu Assistenten werden ist meiner Meinung nach ok. Von Anfang an der „erste Assistent“ zu sein, fraglich ob das funktioniert. Ein guter Assistent hat so viele Aufgaben und Verantwortung, das würde ich einem Azubi nicht zutrauen. Zumindest nicht am Anfang.
    Und aus dem AdA-Kurs weiß ich was ein Azubi so kostet, „billige Arbeitskraft“ ist da auch etwas übertrieben. (Und das sagt einer, der sich regelmäßig für faire Entlohnungen und Bezahlung einsetzt).

  7. Meiner Meinung nach hat die Abschaffung der Meisterpflicht nichts mit dem „Tod“ des Fotografenhandwerks zu tun. Es hat etwas damit zu tun, dass viele Meisterfotografen sich nicht weitergebildet haben und somit viele Quereinsteiger den Markt „erobert“ haben, weil diese mit mehr Leidenschaft an die Sache rangegangen sind.

    Dass die Quereinsteiger oder Hobbyisten natürlich weniger Geld für Ihre Arbeit verlangen ist logisch. Diesem „Trend“ sind dann die Meisterfotografen gefolgt, weil sie dachten, „Geiz ist geil“, also gebe ich das dem Kunden. Dass der Kunde jedoch immer noch Qualität will, das ist den Meistern nicht in den Sinn gekommen.

    Ich bin selbst auch Quereinsteigerin (warum, erkläre ich gleich) und habe mich auf Neugeborenenfotografie spezialisiert, eine Branche, die in der Berufschule gar nicht gelehrt wird, jedoch aber sehr viel Wissen voraussetzt. In meiner Stadt gibt es zwei Meisterfotografen, die von dieser Neugebornen-Branche keine Ahnung haben bzw. nicht mal wissen wo sie das Wissen herbekommen sollten. Ich als Quereinsteiger bin jedoch preislich fast 50% teurer, als diese Meister. Bei mir geht es nicht um reinkommen und schnell drankommen und dann wieder raus, NEIN! Ich habe mich auf den Service spezialisiert und dann spricht natürlich auch noch die Qualität der Arbeit für sich selbst. Das sind genau die zwei Punkte, die Kunden an mir schätzen und was sie mir auch immer wieder sagen. Ein Meisterfotograf hat mir mal gesagt, man sieht keinen Unterschied dazu, ob ich eine Ausbildung habe oder nicht. Meine Arbeit ist einfach gut!

    Ich habe den Quereinstieg nicht aus Bequemlichkeit gewählt oder um an schnelles Geld zu kommen, ich habe bei den Meisterbetrieben in meiner näheren Umgebung kein Potential für meine Kunst oder Weiterentwicklung gesehen. Keiner konnte mir das beibringen, was ich lernen wollte. Ich musste dazu online nach Amerika oder Australien schauen und habe mir alles über einen Zeitraum von 3 Jahren (was auch mit hohen Kosten verbunden war) selbst angeeignet. Auch Photoshop habe ich in vielen, langen nächtlichen YouTube-Sitzungen gelernt.

    Mir scheint auch, dass es auf der Berufschule kein Fach für Marketing gibt. Genau das ist so wichtig in unserer Branche. Jeder kann ein Schild mit Preisangabe ins Fenster hängen, aber das ist nicht das, was der Kunde braucht, will und was ihn anzieht. Auch etwas, dass ich mir selbst angeeignet habe mittels Internet.

    Mir geht es auch auf die Nerven, dass jeder nur noch digitale Dateien anbietet. Jeder Meisterfotograf schreit nach der Meisterpflicht, aber im Umkehrschluss stellen sie sich auch hin und verkaufen eine CD mit hochauflösenden Dateien für 50,00€ (konkretes Beispiel aus meinem Umfeld, mag jetzt nicht für jeden gelten). Andererseits bieten sie aber auch keine Alternativen an oder machen dem Kunden klar, warum sie den Meistertitel überhaupt führen, was es bedeutet. Manchmal kann man das auch nicht aus der Arbeit heraus sehen.
    Fotografie ist eine Kunstform und jeder Künstler entwickelt sich im Leben im weiter. Bei manchen habe ich das Gefühl, sie sind Fotografen, weil Mama und Papa irgendwann mal gesagt haben, dass es gut sei eine solide Ausbildung zu haben. Aber wenn man hinterher nichts daraus macht und immer auf dem selben Stand bleibt, kann es nicht besser werden.
    Ich musste mir auch schon persönliche Anfeindungen von (neidischen) Meisterfotografen anhören, weil die der Meinung waren, ich nehme ihnen die Kunden weg, weil sie davon ausgegangen sind ich bin „billig“ und muss ja keine weiteren Gebühren zahlen. Fakt ist aber, dass mein Klientel nicht das dieser Fotgrafen ist und ich bin genauso wie sie verpflichtet bei der Handwerkskammer. Bisher hat mir diese „Mitgliedschaft“ aber nichts gebracht. Alles, was ich erreicht habe, habe ich aus eigener Kraft geschafft. Ein Geschäft zu führen bedeutet immer Arbeit, egal ob man nun Meisterfotograf ist oder Metzger. Der Titel „Meister“ bedeutet auch nicht, dass einem die Kunden die Bude einrennen, viele vergessen das sicher immer und sind dann aber neidisch auf die, die sich anstrengen.

    Mein Lösungsansatz wäre, wenn es eine einheitliche Regelung gäbe, was digitale Dateien angeht. Wenn alle Fotografen sagen würden: „Hey, wir geben an den Kunden keine digitale Dateien heraus oder zumindest nicht in hochauflösender Qualität“, dann wäre schon viel geholfen. Was viele Fotografen vergessen, ist dass so bald die digitale Datei im Umlauf ist, der Schöpfer keine Kontrolle mehr hat, was damit passiert, bzw. auch keine weiteren Produkte beim Fotografen kauft. Also muss die digitale Datei entsprechend hochpreislich verkauft werden, um den Wert dem Kunden klar zu machen oder eben gar nicht!

    In Amerika gibt es bekanntlich ja auch keine klassischen Ausbildungen, es hat sich aber mittlerweile ein Dachverband für Fotografen entwickelt. Dort bekommt man nicht nur Versicherung und nützliche Informationen, sondern auch Quereinsteiger bekommen das RICHTIGE Wissen mit auf den Weg. Ja, es kostet Geld und das ist aber genau das richtige. Denn wer es wirklich ernst meint, sich mit einem Fotostudio selbstständig zu machen, der ist auch gewillt dort Mitglied zu werden. Das wäre eine gelungene Alternative für Deutschland und das Fotografenhandwerk!

    1. Dem Vorschlag mit den Daten stimme ich ausdrücklich zu – es wäre sinvoll wenn man die Preise hierfür ( zumindest ein Rahmen ) in einer Art Gebührenordnung festlegen könnte ! Dann hätten die Daten auch den “ Wert “ den Sie haben sollten ! Und sie würden dann nicht als “ Virtuelles Etwas “ abgegeben werden ! Aber ich denke dass da auch wieder viele Aufschreien von wegen Freie Marktwirtschaft freie Preisgestaltung etc.

      1. Gebühren dürfen wir Fotografen nicht erheben. Das ergibt sich aus der rechtlichen Lage in Deutschland. Das dürfen Ämter und Behörden. Und damit sind wir wieder an dem Punkt, dass jeder die Preise freigestellten darf. Der eine rechnet nach MFM ab, der nächste weiß das und sagt Kunde ich mache das 50€ günstiger um bloß den Auftrag zu haben, egal ob mit oder ohne Gewinn.

    2. Ein sehr erhellendes und informatives Statement aus der Nische heraus. Ich denke, ich kann mich gedanklich ihren Ausführungen anschließen.

      Was den Dachverband der Fotografen angeht, gibt es sowas hier ja auch (sogar in vielfältiger Form). Eine davon, die irgendwie mit dem Topic sogar zusammen hängt, wären die Innungen. Ich wäre sehr gerne Mitglied, da ich mir im Austausch mit den Kollegen sinnstiftende Erkenntnisse vorstellen kann, die gegenseitig beflügeln. Der Haken dabei ist: hier bei uns (Raum Helmstedt, Niedersachsen) gibt es schlicht keine Innung in greifbarer Nähe. Die ehemals bestehende (die auch bereits weit über den Landkreis hinaus gjng und in Braunschweig angesiedelt war) wurde, wenn ich auf dem richtigen Sachstand bin, mit der Innung Hannover zusammen gelegt – vermutlich aus Mitgliedermangel. Bis Hannover sind es für mich rund 100km – aus meinem direkten Einzugsgebiet ist, sollte sich nichts geändert haben, genau ein Mitgliedsbetrieb vertreten. Ich weiß nicht. Da ist es irgendwie naheliegender, einfach direkt zum Betrieb zu fahren und vor Ort mit den Kollegen zu reden… für alles weitere muss dann das Internet herhalten.

      1. Der Dachverband ist der Centralverband der Fotografen, kurz CV. Vielleicht wäre für dich was der Bund professioneller Photographen, kurz bpp. Die sehen sich als Initiative und machen verschiedene Programmpunkte im Jahr. Ist zwar auch mit Reisen verbunden, dass muss man überall, wenn man gutes Wissen sich aneignen will.

        Viele Fotografeninnungen haben das Problem des Mitgliederschwunds. Weshalb diese entweder aufgelöst oder zusammengelegt werden. Der Grund ist einfach: Dort sitzen die alten Meister, viele davon wollten jahrelang nichts Neues machen. Und wer wollte als jungen Geselle oder Meister damals wie heute aktiv rein, wenn man keine Vorteile sieht. Deshalb bin ich nicht damals reingegangen.

    3. Interessanter Bericht.
      Aber warum die Verweigerung vor dem digitalen? Die Kunden brauchen ja oft sogar nur die digitale Variante für Webseite, Flyer oder was auch immer. Bei Agenturen z.B. geht das Bild ja auch noch weiter, kommt in die Lytho Abteilung, wird weiter bearbeitet etc.
      Als ich noch viel fotografiert habe, habe ich Jobs NUR Digital fotografiert. Bisschen Analog nur zum Spaß und nicht für den Kunden.
      Das kann ich daher nicht nachvollziehen. Und bei der Masse an Kameras kann man hier auch keine einheitliche Regelung festlegen.

    4. Hallo,

      man muss die Themen immer aus dem Kontext heraus betrachten. Wenn man bei Babyfotos am liebsten nur die Prints verkaufen möchte und erwartet, dass der Kunde nachbestellt, wenn er weitere Abzüge haben will – das ist das Geschäftsmodell der alten Handwerksbetriebe aus der analogen Ära (die Fotografen sitzen auf den Negativen und lassen die Kunden für weitere Nutzungen zahlen). Das ist m.E. nicht auf die digitale Zeit übertragbar: hier erwartet jeder, dass er die Datei bekommt – so kennt er das ja schließlich auch von seinen eigenen Bildern via Knipse oder Smartphone.

      Ich würde das als Kunde auch erwarten – daher muss das Honorar für das Fotografieren und das Nutzen der Bilder stimmen. Inwieweit das im Privatkundenbereich überhaupt noch möglich ist, kann ich nicht beurteilen. In der Corporate-, Industrie- oder Werbefotografie ist es möglich, wenn man sich seinen Markt erobert und seine Nischen gefunden hat. Hier geht es immerhin noch um „richtige“ Honorare – auch wenn die goldenen Zeiten, in denen ein Totalbuyout das Dreifache des Honorars gekostet hat, wohl vorbei sind.

      Bei Kunden, die 50 oder 100 Euro schon als teuer empfinden, ist es natürlich ungleich schwieriger, ein richtiges Geschäft aufzubauen. Den Vorschlag, Dateien nicht herauszurücken, wird man aber m.E. nicht durchsetzen können – schließlich will der Kunde die Bilder ja auch auf facebook & Co. teilen.

      Viele Grüße
      Christian
      http://www.ahrens-steinbach-projekte.de

      1. Das kommt auf das Preispaket an. Hochwertige Bilder mit hochwertigen Dateien, an denen ich nichts mehr verdiene, müssen mehr kosten. Das muss man klar dem Kunden vermitteln. Wenn er nur 100 Euro bezahlen will und die Bilder für Facebook haben, kann man ein kleines Paket schnürren, zum Beispiel zwei Portraits bearbeitet mit einer Auflösung für das Internet. Dann muss der Fotograf aber auch so arbeiten, dass er mit dem ganzen Kunden nicht mehr als eine Stunde Arbeit hat, sonst rentiert sich der Job nicht mehr. Oder man geht von vorne herein auf die Zeitschiene, sagt ich fotografiere deine Hochzeit, dein Event oder deine Portraits und berechne für jede Stunde fotografieren 200 Euro und du erhältst alle Bilder in hoher Auflösung. Dann lohnt sich das Geschäft wieder für den Fotografen.

  8. Bevor ich über Sinn und Unsinn rede, erstmal ein paar Rahmendaten zu mir – dann kann man meine Meinung vielleicht besser einsortieren:

    Ich arbeite seit zehn Jahren als Redakteur für Zeitungen, was die Notwendigkeit des Fotografierens irgendwie mit sich bringt. Da „knipsen“ auch vorher irgendwie schon sowas wie ein Steckenpferd war, beflügelte mich der Job in dieser Richtung dann und nachdem ich Menschen berufsbedingt vor der Kamera hatte, wollte ich das im Privaten irgendwie weiter führen. Irgendwann kam dann der Punkt, an dem Üben und Ausprobieren in Praxis übergingen. Bis ich mich dann tatsächlich durchgerungen hatte, mit meinem „Hobbystudio“ tatsächlich in einen „richtigen Geschäftsraum“ zu gehen, ein (Neben)Gewerbe anzumelden, der Handwerkskammer beizutreten, etc. vergangen dann aber doch noch ein zwei Jahre auf denen ich mich in die eine und die andere Richtung weiter üben sah.
    Kurzum: ich bin einer der typischen Quereinsteiger, ohne solide Ausbildung. Autodidakt – ob gut (genug) oder (zu) schlecht entscheiden letztlich meine Kunden.

    In seiner aktuellen Form kann ich mit der HWK-Mitgliedschaft wenig bis gar nichts anfangen. Klar, ich freue mich über die neue Zeitung, die mich regelmäßig in Papierform erreicht, lese gespannt die angebotenen Kurse und stelle fest: entweder ist nichts für mich dabei, oder so weit entfernt (und so umfangreich), dass das Unterfangen planerisch mit meinem Hauptberuf kollidiert.

    Insofern bin ich dankbar, dass die Meisterpflicht weggefallen ist und wäre mindestens genauso dankbar ob eines Wegfalls der Rolle. Klar, son „Handwerk“-Sticker auf der Ladentür macht sich schon gut, wenn es um „ältere“ Kunden geht, aber mal ehrlich: im Grunde sollten die Fotos im Fenster überzeugen und nicht so ein Aufkleber, für den ich im Jahr weit mehr bezahle als für meine Website…

    Im Zuge dieser „Pflichtmitgliedschaften“ finde ich, muss man aber auch deutlich machen, dass es da auch sinnvolle Dinge gibt – an dieser Stelle würde ich die BG nennen – denn im Falle eines Falles bekommt man als „Kunde“ hier tatsächlich einen wesentlichen Mehrwert geboten.

  9. Hallo,

    in der aktuellen PhotoPresse steht ein interessanter Artikel über den Grad der Zustimmung der „handwerklichen“ Fotografen zur Handwerkskammer – mit einem absolut vernichtenden Ergebnis. Die Zeit, in der man einen Beruf wie den des Fotografen „schützen“ konnte, ist definitiv vorbei.

    Es sind nicht die marodierenden Amateure, nach meiner Meinung, sondern eine völlig veränderte Gesellschaft, die den Markt ordentlich durcheinandergeschüttelt hat. In anderen Bereichen (Graphik, Gestaltung, Medien usw.) ist es ja ganz ähnlich. Letztlich ist es die Digitalisierung und eine neue Technik- und Medienlandschaft, die die Veränderungen bewirkt hat. Das ist ein globaler und weitreichender Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist.

    Es gibt gute und schlechte Fotografen, es gibt excellente Könner, die an die Grenzen gehen, und es gibt Mittelmaß und auch unterdurchschnittliche Marktteilnehmer. Und zwar völlig unabhängig davon, ob da jemand einen Beruf gelernt oder studiert hat oder nicht.

    Hier wird oft der Hochzeitsmarkt zitiert: klar, hier ist der Zugang für Amateure und Quereinsteiger am leichtesten, weil es ein sehr einfach zu erreichender Privatmarkt ist.

    Man kann gerade auch diesen Markt nicht mehr schützen. Wenn man da mitmischen will, gibt es eigentlich nur die Alternative, absolut excellent, außergewöhnlich und hochpreisig zu sein. Da ist es dann wieder möglich, eine Marke und ein echtes Geschäft zu bilden.

    So sieht in meiner Wahrnehmung aus: in früheren Zeiten war man in Sachen Fotografie auf einen Profi angewiesen, wenn man Fotos haben wollte, die man drucken konnte oder die einigermaßen zuverlässig vorzeigbar waren. Auch damals gab es natürlich alle Qualitätsstufen in der Fotografie. Aber es gab keine Firmeninhaber, die mit dem Handy in der Hand den Produktkatalog fotografieren wollten…. Heute sieht es anders aus: der Markt ist extrem heterogen – es gibt für jede Qualitätsstufe einen eigenen, ganz speziellen Sektor.

    Fotografen, die da erfolgreich mitwirken wollen, tun gut daran, sich Richtung Qualität zu orientieren. Dann ist auch heute noch in unserem wunderbaren Beruf richtig Musik drin.

    Viele Grüße
    Christian

    http://www.ahrens-steinbach-projekte.de

  10. Hallo,
    Ich bin kein gelernter Fotograf, allerdings fotografiere ich seit meinem 16 Lebensjahr. Habe also mit Analog angefangen und dann mit Digital weiter gemacht. Das als Einführung, ich bin der Meinung man kann das Fotohandwerk erlernen, doch was selbst der beste Ausbilder nicht vermitteln kann ist der Blick für das Bild !
    Entweder man hat diesen Blick oder nicht. In den schlägigen Fotomagazinen wird hier rüber viel diskutiert und die sogenannten Starfotografen schwafeln auch viel über das Thema, wenn ich mir dann deren Bilder betrachte wo mit aufwendiger Technik groteske Bilder präsentiert werden kann ich nur den Kopf schütteln. Die Technik ist nicht alles was ein Bild ausmacht. Der Meisterzwang der in Deutschland lange Jahre gute Fotografen verhindert hat, wurde zu Recht abgeschafft. Es ist eine Chance endlich sich weiter zu entwickeln und nicht auf veralteten Mechanismen zu verharren. Ich beobachte das z.b. immer wieder in der Pressefotografie wo die Kollegen im Haufen allesamt aus der selben Perspektive knipsen und keinerlei kreative Initiative ergreifen. Wenn man in die Zeitungen schaut ewig dieselben einfallslosen Bilder. Die Fotografie wird es immer geben, nur die Bedingungen verändern sich halt stetig. Das Jammern auf hohem Niveau hilft hier nicht weiter denn dadurch ändert sich nichts. Aus Fehlern lernen und sich weiterentwickeln anstatt nach Gesetzen und Regulierungskräften rufen.

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