JPG nach der Lightroom Entwicklung

Konzept, Planung und Bildsprache eines Projektes

Warum ein Projekt wichtig ist

Als Berufsfotograf sind meiner Meinung nach freie Projekt sehr wichtig. Sie machen „den Kopf frei“, schärfen den Blick und bringen den Fotograf weiter.

Bei meinem freien Projekt keinwiderspruch geht es um Menschen mit Behinderung und wie diese damit umgehen. Viele haben sich arrangiert, manche haben auch den Vorteil der Behinderung erkannt und tun das was Sie tun genau WEGEN der Behinderung anstatt „trotz“, wie es in den Medien oft fälschlicherweise dargestellt wird.
In dem Fall hat mich das Projekt mit vielen tollen Menschen zusammengebracht. Es sind Freundschaften entstanden, über das Projekt wurde in Zeitungen, Zeitschriften, Blogs, im Radio und sogar im TV berichtet.

Alle Mitmacher*innen wurden von mir fotografiert und haben einen Text geschrieben, über das was und warum Sie machen.
Ich  habe mir natürlich im voraus Gedanken gemacht wie ich fotografiere,  damit die Fotos auch einen wiedererkennbaren und überall durchführbaren Stil haben.

Der Artikel wird etwas länger, das mal gleich als Vorwarnung und enthält auch ein paar technische Details, ich versuche aber nicht zu sehr in die Tiefe zu gehen.

Studio oder Outdoor

Da ich schon wusste das ich auch viel unterwegs sein werde und nicht überall ohne weiteres ein bezahlbares und barrierefreies Fotostudio bekommen würde, hatte ich ein Studio schon recht schnell ausgeschlossen.

Es wurde dann recht schnell klar das die Fotos draußen umgesetzt werden, denn das geht fast immer und fast überall. Als Hintergrund habe ich Hecken, Glas, Fenster, Wände, Zäune etc ausgesucht, hier durfte ruhig ein wenig Abwechslung passieren, durch den Stil sollte aber ein klarer Wiedererkennungswert gegeben werden.

Ich bin der Meinung das man, wenn man nur ein bisschen schaut, überall tolle Bilder machen kann. Vor allem da ich an vielen Orten an denen ich fotografiert habe noch nie war, musste schon vorher klar sein das sowas ohne große Planungen machbar ist. Das geht draußen sehr gut.

Rechtliches

Nicht unbedingt spannend, gehört aber leider dazu. Bei keinwiderspruch geht es um Menschen und hier ist es wichtig das man vorher genau abklärt was man darf und was nicht. Nicht nur beim Shooting sondern auch gerade danach, also wer darf mit den Fotos was genau machen.
In dem Fall geht es noch ein bisschen weiter, denn nicht nur „meine“ Fotos, sondern auch „Eure“ Texte kommen beim Projekt vor.

Ausstellung und Buch sind geplant und waren das von Anfang an. Stellt euch nur mal vor wenn das Buch gedruckt ist und die Ausstellung hängt, kommt raus, das eines der Fotos oder Textes gar nicht verwendet werden durfte.

Als Berufsfotograf bin ich bei Deutschlands größtem Fotografenverband „Freelens“ Mitglied. Dies hat viele Vorteile, eines davon ist eine im Beitrag integrierte Rechtsberatung. Ich habe mir also ein sogenanntes „Model-Relase“ bzw eine Fotofreigabe geschrieben, Thematik „Bilder“ um „Texte“ ergänzt und unserem Anwalt gefragt ob das so in Ordnung wäre. Eine kleine Verbesserung hatte er, diese habe ich eingepflegt. Diese Fotofreigabe könnt ihr euch Fotofreigabe. (Ansehen, nicht selbst nutzen).

Vor jedem Shooting habe ich diese an alle Protagonsiten geschickt, erklärt warum das wichtig ist und gefragt ob es in Ordnung wäre. Es war für alle ok und die meisten haben sich gefreut das auch rechtlich alles in Ordnung ist.

Die Bilder

Es soll es um die Menschen und deren Texte gehen, die Fotos daher „unaufgeregt“, ohne viel „Tam Tam“ aber trotzdem wiedererkennbar.

In dem Fall war das für mich besonders wichtig, weil das Thema in den Medien oft nicht korrekt gemacht wird. Hier werden Menschen mit Behinderung sowohl in Berichten als auch auf den Fotos auf die jeweilige Behinderung reduziert, das wollte ich explizit bei dem Projekt nicht. Es war mir wichtig, die jeweilige Behinderung nicht in den Vordergrund zu stellen, sondern die Person. Auf den wenigsten Fotos sieht man daher ob Menschen z.B. im Rollstuhl sitzen. Auch andere gängige Klischees habe ich mit Absicht nicht verwendet.

Der Plan ging auf, die sehr starken Texte rücken in den Vordergrund, die Bilder wirken unterstützend dazu anstatt andersrum.

Die Kamera

Obwohl ich finde das es ganz nach dem Motto „Der Fotograf  macht das Foto und nicht die Kamera„, eigentlich relativ egal sein sollte, möchte es diesmal gerne erklären, warum ich welche Ausrüstung verwendet habe.

Kameratechnisch wollte ich möglichst flexibel sein und gleichzeitig wenig Gewicht mit mir rumtragen.

Ich habe mich für die Kombination

  • Canon 7D
  • 50mm 1.4 Objektiv (Der kleine Chip der 7D macht das 50mm quasi zu einem 85mm.)

entschieden.

Ich habe wollte den hellen und klaren Bildstil, die Person sollte vor dem Hintergrund „freigestellt“ wirken. Daher habe ich alle Bilder mit Blende 2.0 fotografiert, tendenziell leicht überbelichtet und nur Belichtungszeit und ISO Werte angepasst.

Da ich immer draußen war, und tagsüber fotografiert habe, und im Zweifel auch kein großes Problem damit habe wenn das Bild ein bisschen rauscht, hatte ich mit Helligkeit nie ein Problem.

Als Speichermedien habe ich immer 4GB-CF Karten genutzt. Das diente später der Übersicht und hatte auch noch den Hintergrund der Datensicherheit. Sollte tatsächlich eine Karte kaputt gehen, ist „nur“ eine Fotosession weg, nicht die Daten einer ganzen Reise.

Bildbearbeitung

Ich bin kein Modefotograf und möchte das auch nicht werden. Fotografie ist für mich wichtiger als Photoshop. Ein bisschen Lightroom, ein Programm um digitale Negative, also RAW Dateien, zu JPGs zu „entwickeln“, ist aber schon verwendet worden.

Hier habe ich mir eine Lightroom-Entwicklungseinstellung überlegt die übertragbar ist, nicht zu künstlich aussieht aber trotzdem wiedererkennbar ist. Mit dem Wissen um diese Einstellung wusste ich auch ungefähr wo und wie ich meine Protagonisten fotografieren muss, damit es am Ende wieder passt. Ich habe dann so fotografiert, das die Einstellungen bei den meisten Fotos schon ganz gut gepasst haben und dann nur noch im Detail angepasst wurden.

Was ich im Lightroom gemacht habe:

  • Belichtung + 0,63
  • Kontrast + 4
  • Lichter – 20
  • Tiefen + 20
  • Weiß + 5
  • Schwarz – 20
  • Klarheit + 20
  • Sättigung – 1
  • Profilkorrekturen automatisch
  • Kameraprozess 2012 (Standard)
  • Bild schärfen

Für interessierte Fotografen die mit Lightroom arbeiten habe ich das Preset hier zum Download bereitgestellt, So könnt ihr Euch das gerne anschauen, ausprobieren und optimieren.

Konkretes Beispiel

Es gibt natürlich ein Beispiel. John, als der allererste Mitmacher, hat mir freundlicherweise erlaubt dies an seinem Foto zu zeigen.

Vorher:
So sieht das Bild aus der Kamera aus. man sieht es ist leicht Überbelichtet. Durch die Entfernung von John zur Wand, und dadurch das ich nicht frontal zur Wand sondern etwas schräg stand, bekommt der Hintergrund einen Unschärfe-Verlauf.

Portrait aus der Kamera
Portrait aus der Kamera

 

Nachher:
So sieht das Bild nach der Lightroom Entwicklung des RAW Bildes aus. Man sieht auf den ersten Blick keinen allzugroßen Unterschied. Die Rottöne sind ganz leicht entsättigt, sonst wurden die Einstellungen die weiter oben beschrieben wurden auf das Bild geladen. Beim Export wurde das Bild für den Bildschirm geschärft.

JPG nach der Lightroom Entwicklung
JPG nach der Lightroom Entwicklung

 

Workflow

Ihr seht schon, viel Planung bzw Überlegung ist schon im Vorfeld gelaufen, schon bevor das erste Fotoshooting stattfand. Hier hilft natürlich auch die Erfahrung als Berufsfotograf, denn „einfach so“ wird ein Projekt in der Größe vermutlich nicht funktionieren. Der Workflow hier bezieht sich also darauf, wie es ablief als alles konkret wurde. Der Ablauf eines Fotoshootings.

  • Mit allen Teilnehmern hatte ich im Vorfeld bereits Kontakt, via Mail, Facebook etc.
  • Aber um uns auch persönlich ein wenig besser kennen zu lernen, haben wir meist ein Cafe oder eine Bar gewählt und uns erstmal zu unterhalten.
  • Manchmal waren Freunde, Verwandte, Partner oder Assistenten dabei, die haben sich aber in der Regel zurückgehalten.
  • Das Model-Release habe ich meist vor Ort mitgebracht.
  • Nach dem Cafe sind wir losgegangen, meistens reicht „einmal um den Block“. Mit dem richtigen Blick findet man fast überall passende Hintergründe.
  • Viele der Teilnehmer standen nicht zum ersten mal vor der Kamera, aber auch bei denen die Premiere hatten haben wir schnell die nötige Lockerheit erzeugt.
  • Jede Fotosession wurde auf eine eigene Karte fotografiert.
  • Im Durchschnitt entstanden pro teilnehmender Person ca 3-4 Motive mit ingesamt ca 80 Fotos.
  • Am Computer wurden alle Karten in eigene Seperate Ordner auf der Festplatte kopiert
  • Import in Lightroom
  • Standard-Entwicklungseinstellung wie oben beschrieben
  • Vorauswahl von mir an die jeweilige Person
  • Endauswahl vom jeweiligen Protagonisten
  • Das ausgewählte Bild wird nochmals angepasst und anschließend als JPGs exportiert.
  • Bilder gehen in verschiedenen Auflösungen an die Teilnehmer*innen.

Fototipps

Hier noch ein paar allgemeine Fototipps warum ich was wie gemacht habe.

  • Das 50mm ist allgemein einer meiner Lieblingsobjektive, weil es eine Festbrennweite ist.
  • Festbrennweite bedeutet, ich muss mich selbst bewegen und kann nicht am Obektiv „zoomen“.
  • Da der Mensch von Natur aus eher faul ist, werden die Bilder so in der Regel automatisch schon mal ein bisschen besser, weil man sich genauer Überlegt wo man sich denn hinstellt.
  • Ähnlich wie bei der Thematik „In Projekten denken“.
  • Also anstatt einfach losgehen und irgendwas fotografieren, lieber ein Projekt überlegen, und sei es noch so banal. Wenn ihr losgeht und „grün“ fotografiert, oder „Baum“ oder „Struktur“, geht ihr mit einem ganz anderen Blick durch eure Stadt.
  • Ihr seid Berufsfotografen? Werden Mitglied bei Freelens.
  • Setzt freie Projekte um.

 

 

Wenn Ihr bis hier gelesen habt, freut mich das total. 🙂

 

Johannes

Hallo, ich bin Johannes. Dies ist meine Spielwiese für verschiedene Projekte, Bilder, Quatsch, Ideen und Gedanken zu denen ich manchmal auch Interviews geben darf.

4 Gedanken zu „Konzept, Planung und Bildsprache eines Projektes

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