Stockfotografie und Kreativität

In den letzten Tagen begegnete mir immer wieder das Thema „Stockfotografie“.
Viele werden wissen, dass ich dem Thema mehr als skeptisch gegenüber stehe und so habe ich in der letzten Woche zwei mal mit anderen darüber diskutiert. Heute möchte ich daher darüber schreiben, was Stockfotografie ist und warum ich kein Fan davon bin.

 

Was ist Stockfotografie?

Bei der Stockfotografie wird das Foto nicht passend zum Auftrag, Projekt oder Kunden neu fotografiert, sondern aus Archiven genutzt. Es ist daher das Gegenteil von Auftragsfotografie.
Potentielle Auftraggeber, die Bilder benötigen, kaufen also Bilder in Stockagenturen anstatt diese selbst produzieren zu lassen.

 

Warum bin ich kein Fan von Stockfotografie?

Stockfotos sind Massenware. Stockagenturen liefern sich einen regelrechten Kampf um den Bildermarkt, Qualität und Einzigartigkeit der Fotos hat hier meiner Meinung nach keine hohe Priorität mehr. Es geht um den Preis. Platzhirsch Fotolia, der von Adobe gekauft wurde, z.B. verschenkt sogar regelmäßig ausgewählte Bilder per Newsletter. Aber selbst wenn man bereit ist Bilder zu kaufen geht das bereits ab 1€ los.

Ich gebe zu: in manchen, wenigen Fällen macht ein Stockfoto eventuell sogar Sinn. Eine gelbe Blume in einer Vase, die man JETZT sofort für einen Artikel braucht, muss nun nicht nochmal vom Berufsfotograf fotografiert werden. Der hat darauf vermutlich eh keine Lust.

Aber alles andere bei dem es um Individualität geht, um Kreativität und Persönlichkeit hat mit Stockfotografie nichts zu tun.

 

Das Geschäft und die Moral

Vielleicht bin ich da zu altmodisch, aber ich finde neben der Tatsache, dass ein Stockfoto in der Regel nichts mit Individualität zu tun hat, spielt auch die Moral eine weitere Rolle.

Wenn z.B. Buchverlage Stockfotos für Buchcover nutzen halte ich das für äußerst fragwürdig.
Verlage verdienen ihr Geld mit der Kreativität Ihrer Autoren. Sie wollen, davon gehe ich zumindest aus, diese Autoren fair für ihre Kreativität bezahlen. Das ist auch völlig in Ordnung so, ich kaufe das Buch u.a. ja auch weil ich z.B. den Autor gut finde oder viel gutes von diesem Autor gehört habe.
Wenn jetzt der selbe Verlag ein Stockfoto für das Cover verwendet anstatt einen Fotografen für ein individuelles Fotoshooting zu buchen halte ich das für falsch.
Die Kreativität und Individualität sollte sich bei einem Buch durch alle Bereiche ziehen und nicht beim Cover aufhören.

Ich wünsche mir, das Verlage sich dafür einsetzen und stark machen.
Das gleiche gilt natürlich auch für andere Branchen, die von Kreativität und Persönlichkeit leben. So wünsche ich mir auch von Magazinen und Zeitungen, dass sie bei spannenden Reportagen eigene Fotografen losschicken.

Auf die Spitze getrieben kommt sonst nämlich dieses Extrembeispiel für Unkreativität dabei heraus.

 

Johannes

Hallo, ich bin Johannes. Dies ist meine Spielwiese für verschiedene Projekte, Bilder, Quatsch, Ideen und Gedanken zu denen ich manchmal auch Interviews geben darf.

4 Gedanken zu „Stockfotografie und Kreativität

  1. Ein Beispiel sind auch diese Stockvideos. Ich erinnere mich gut an die letzte Bundestagswahl. Da hatte die FDP einen TV-Spot. Da fuhr unter anderem Mama, Papa, Töchterlein und Sohnemann vorweg mit dem Fahrrad durch die saftig grüne Natur. Der selbe Clip wurde zeitgleich von der NPD verwendet. Und von einem Lebensmittelhersteller.

    Selbes passierte bei Firmen auf Messen mit Fotos, da hatte der Mitbewerber das selbe Foto am Messestand. Aber es gibt leider auch Fotografen, die für ihre eigene Werbung Stockmaterial einkaufen, damit werben, was ich schlimm finde, denn hier kann ich erwarten, dass der Produzent so was selber macht.

  2. Hahaha ja das war klasse. Und die FDP hat sich den Spott und folgenden Schaden absolut zurecht verdient.
    Das mit dem Messestand habe ich nicht mitbekommen, das ist ja fast noch peinlicher.
    Wenn Fotografen sowas nutzen hört der Spaß für mich auf, das ist meiner Meinung nach Betrug.

  3. Als Schulfotograf bin ich auch überhaupt kein Fan davon. Ich sehe Bilder die schlechte Qualität haben und es zu teuer verkaufen. Bald wird es kein wert mehr haben was die Qualität von Bildern angeht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

eins + drei =